Romanik

vorgotisches Mittelalter

 

 

Die antiken Möbelformen sind mit dem Untergang des Römischen Reiches nicht verschwunden, sie haben sich durch Jahrhunderte noch gehalten, doch wurden sie durch den wenig kultivierten Sinn der jungen nordischen Völker vereinfacht, das heißt in wesentlich derberer Art gestaltet, wobei einzelne antike Elemente starke Veränderungen erfuhren. Originale Beispiele frühmittelalterlichen Hausrates gibt es recht wenig, auch hier ist man meißtens auf Darstellungen in Werken der bildenden Kunst angewiesen. Die alltäglichen Möbelstücke waren denkbar einfach, meistens primitive Pfostenmöbel mit bescheidener Zier in Kerbschnitt oder aus rundgedrechselten Stäben zusammengesetzt, deren Schmuck aus Rillen, Knauf und Baluster bestand. Kirchliche und profane Prunkmöbel verraten allerdings einen schon stark ausgebildeten Formensinn und große handwerkliche Fähigkeiten: Schnitzarbeiten, Beschläge aus Metall und Einlagen aus Elfenbein sind nicht selten. Von großem Einfluß auf die Entwicklung der Möbelformen war die Tatsache, daß eine andere Lebensweise, als sie Griechen und Römer hatten, auch Veränderungen im Gebrauch bestimmter Möbeltypen bedingte. Diese Umwertung tritt am deutlichsten beim Bett in Erscheinung, das jetzt nunmehr als Ruhestatt diente, während den anderen Tätigkeiten die Sitzmöbel: Stuhl, Bank und Tisch zugeordnet wurden. Tisch und Bank bekommen also wichtige Funktionen. Das bedeutet nicht, daß das Bett als unwichtiges Möbel in den Hintergrund geschoben worden wäre. Es wird vielmehr als eigentliches Symbol für die wärmende Heimstatt, besonders im Norden, zum Herzstück häuslicher Ausstattung. Nicht weniger wichtig für die Aufbewahrung des Hausrates sind die Truhe und der hohe Schrank, der später noch eine vielfältige Ausgestaltung erfahren sollte. Wie stets spielen die jeweils bestimmenden architektonischen Stilformen einer Zeit auch beim Aufbau und Schmuck des Möbels eine Rolle. So ist der romanische Rundbogen sehr häufig als Schmuckform des romanischen Möbels anzutreffen.

 

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