POLITIEREN

 

 

Grundieren

 

Das Polieren des Holzes wird vielfach mit dem Polieren der Metalle und Steine verglichen. Sowohl beim Polieren der Steine, als auch bei dem der Metalle wird lediglich nur geschliffen, zuerst mit groben, dann mit immer feineren Schleifmitteln, bis der Glanz entsteht.

Die Flächen sind zu Anfang rauh, porös, die Lichtstrahlen brechen sich zu oft in den Vertiefungen und Löchern und unseren Augen erscheint die Fläche nur dann glänzend, wenn sie diese die Lichtstrahlen möglichst ungebrochen zurückwirft. Durch Schleifen mit immer feineren Schleifmitteln wird bei Steinen und Metallen hoher Glanz erzielt. Auch beim Polieren des Holzes entsteht eine feine Fläche nur durch gutes und öfteres Schleifen, doch wird gleichzeitig eine Schellackschicht mit aufgetragen, ohne die es eben nicht möglich ist, die feinen, tiefglänzenden Flächen, welche wir an guten Erzeugnissen der Tischlerei bewundern, herzustellen.

Während Metalle und Steine ohne jede deckende Mixtur blank gerieben werden, nur durch fortgesetztes Schleifen, haben wir beim Holze mit ganz anderen Verhältnissen zu rechnen. Besäße das Holz die Härte der Metalle und Steine, dann könnte man ebensogut durch einfaches Schleifen Hochglanz darauf erzeugen. Z.B. ein Stück poröses Holz mit harten Spiegeln, sauber geputzt und geschliffen, zeigt an den Spiegeln, die nicht porös sind, ohne jede Politur einen ziemlich hohen Glanz, die weichen und porösen Teile des Holzes sind dagegen stumpf und matt.

Die Schellackpolitur hat nun den Zweck, die weichen Teile der Hölzer so mit Schellack zu sättigen, daß eine feste und dichte Grundlage entsteht. Die dabei benutzten Materialien, als Bimssteinmehl, Ziegelmehl usw. dienen mit der Schellacklösung zusammen sowohl als Füllmasse für die Holzporen, als auch gleichzeitig als Schleifmittel. Zum Zupolieren der Poren soll stets schwache Politur benutzt werden, kein Spiritus, sonst werden die Poren, respektive deren Inhalt nach kurzer Zeit grau, weil Schellack oder die Politur den Bimsstein binden und färben muß. Sind die Poren gefüllt und die weichen Stellen des Holzes mit Schellack gesättigt, so haben wir wohl eine ziemlich glatte, jedoch noch lange keine glänzende Fläche. Wir sind genötigt, um eine größere Dichte der Oberfläche zu erzielen, weiter zu polieren und eine überall möglichst gleichmäßig verteilte Schellackdickte aufzutragen. Diese Arbeit nennt man Grundpolieren oder kurz gesagt grundieren. Der Grund soll vollständig ohne Öl aufgetragen werden, wenigstens soll solange ohne Öl poliert werden, bis die gesamte Holzoberfläche mit der richtigen Schellackdickte überzogen ist. Wird viel Öl in den Grund und besonders in die Poren hineinpoliert, so wird die Politur niemals stehen und die Poren trocknen immer wieder ein.

Das Grundieren ohne Öl macht manchen so viel Schwierigkeiten und ist doch ungeheuer einfach. Man darf sich nur vergegenwärtigen, daß die Politurdecke aus vielen, ungemein feinen Schellackhäutchen besteht, welche mit dem    

Polierballen immer eins aufs andere gelagert werden und nach dem Verdunsten des als Lösungsmittel benutzten Spiritus wieder eine feste Masse bilden. Jedem einzelnen der aufgetragenen Schellackhäutchen muß Zeit zum Erhärten gelassen werden, man darf die eben aufgetragene Politur nicht sofort wieder mit dem nassen Ballen berühren. Tut man dies dennoch, so arbeitet man fortwährend in flüssiger Politur und kommt mit der Arbeit nicht vorwärts, weil durch das Berühren mit dem nassen Ballen die vorher aufgetragene Schicht immer wieder mit aufgelöst wird. Man poliere immer mehr an den äußeren Teilen der Fläche, in die Mitte kommt man unwillkürlich schon von selbst, auch bearbeite man die Fläche im Ganzen, nicht immer längere Zeit auf einer Stelle, dadurch wird eben erreicht, daß die einzelnen Schellackhäutchen trocken sind, ehe der Polierballen wieder darüberfährt und eine neue Dickte ablagert.

Beim Grundieren arbeitet man am besten mit nicht zu starker Politur, um so feiner und klarer wird die aufgetragene Schellackdickte sein. In warmen Räumen wird der Polierprozeß besser und schneller von statten gehen, als in kühlen oder gar feuchten Werkstätten, weil eben der Spiritus schneller verdunstet. Eine Temperatur von 18 bis 20 Grad ist für den Polierraum am besten geeignet.

 

Die im Grund polierten Arbeiten müssen nun möglichst in warmen, gut ventilierten Räumen stehenbleiben, damit die Schellackdickte richtig trocknen kann, nachher wird die Politurdecke geschliffen. Das Schleifen erfolgt in der Regel mit Bimssteinpuder, mittels Kork, Filzklotz oder auch mit Leder beleimten Holzklötzen. Hölzer, welche vor dem Grundieren ohne Öl behandelt worden sind, dürfen auch nach dem Grundieren nicht mit Öl geschliffen werden, da das Öl die Schellackdecke durchdringt und natürlich Flecken im Holz hervorruft. Man schleift hier leicht mit Kork und Bimsstein, ohne Öl, also trocken. Dies gilt für Hölzer in grauen Farbtönen.

 

 

 

 

 

Das Decken

 

Nach dem Schleifen der Grundpolitur werden die aufgeschliffenen Holzporen und die etwa bis aufs rohe Holz durchgeschliffenen Stellen nochmals mit Bimssteinpuder und Politur, ohne Öl, zupoliert, nachdem wird unter Zuhilfenahme von etwas Öl  eine gute Politurdecke aufgetragen, die Fläche also "gedeckt". Es dürfte wohl bekannt sein, daß das beim Polieren benutzte Öl den Zweck hat, das Abreißen der erhärteten Schellackdickte durch den feuchten Polierballen zu verhindern. Es darf jedoch nur soviel Öl auf die Fläche kommen, als die dem Polierballen entströmende Politur noch leicht durchdringen kann. Wird zuviel Öl benutzt, so schließt dieses die untere feste Schellackdickte vom Polierballen ab. Die Politur, welche diesem entströmt, kann sich nicht mit der auf der Fläche sitzenden, harten Decke verbinden und infolgedessen auch nicht ansetzen. Man arbeitet dann in einem Brei von flüssiger Politur herum. Handelt es sich um die Herstellung

matt polierter Flächen, so genügt oft schon Grundieren und Decken, um eine feine, matte Fläche herzustellen. Sollen die Arbeiten jedoch blank poliert sein, dann muß auch nach dem Decken die Politur wieder gründlich austrocknen und nochmals leicht geschliffen und poliert werden. Eine magere und hungrige Fläche zeigt niemals feinen und tiefen Glanz, es muß eben immer eine gewisse Menge Schellack auf dem Holze sitzen, mit Schleifen allein lässt sich kein Hochglanz erzielen. Hier kommen wir zu der Stelle, wo sich das Polieren des Holzes von dem der Metalle und Steine wesentlich unterscheidet. Der Ausspruch: "Du bringst nichts drauf", welchen man beim Polieren so oft vernimmt, ist nur allzusehr berechtigt. Damit wird gesagt, daß der betreffende Polierer nicht in der Lage ist, die nötige Politur auf die Fläche zu bringen. Es bedarf ja keiner Dickte, welche man mit dem Zollstock messen kann, um eine gute Politurfläche herzustellen, aber immerhin muß wenigstens soviel Politur auf dem Holz sein, daß alle vorhandenen Unebenheiten völlig gedeckt und mit Politur überzogen sind. Eine wirklich tadellose Politur entsteht nur durch öfteres Polieren, mit nachfolgendem gründlichem Austrocknen und Schleifen, wie dies in der besseren Pianofortefabrikation üblich ist. Würde man hier so verfahren, wie in vielen Tischlereien und Möbelfabriken, wo heute grundiert, morgen gedeckt und übermorgen fertig poliert wird, so könnte man niemals die feinen, tiefglänzenden Flächen erzielen, welche ihren Glanz viele Jahre lang behalten. Hierzu werden oft Arbeiten grundiert und gedeckt, dann stehen die fertigen Stücke oft monatelang zum Austrocknen in warmen Räumen, um nachher wiederum geschliffen und poliert zu werden, dann bleibt die Politur nochmals stehen, um schließlich nach oft 8 bis 10 maligem Polierten den letzten Überzug zu erhalten. Aus besonderen Gründen hat man in der Pianofortebranche Grundierer und Überpolierer.

Zum Überpolieren gehört eine gewisse Fertigkeit, welche nicht jedem Arbeiter eigen ist. Leider ist diese Arbeitsweise in der Möbelfabrikation gar nicht, oder doch nur selten anzutreffen. Der kurzen Lieferfristen wegen können die Arbeiten nicht längere Zeit zum Austrocknen stehenbleiben, sondern werden gewöhnlich gleich hintereinander fertigpoliert, außerdem macht vielfach Platzmangel ein solches Verfahren zur Unmöglichkeit. Jedenfalls ist längeres Austrocknen und öfteres Polieren für die Güte der Politur und deren Haltbarkeit von großer Bedeutung. So lange das Holz arbeitet, wird und kann keine Politur entstehen, das Holz muß unbedingt vollständig ausgetrocknet sein, ebenso bei furnierten Arbeiten der Leim. Es dauert zum Beispiel eine ziemliche Weile, ehe abgesperrte und furnierte Arbeiten völlig trocken sind, und in diesem Punkte wird noch sehr viel gesündigt. Wo heute furniert, morgen abgeputzt und übermorgen poliert wird, kann niemals eine gute Politur zustande kommen, selbst wenn die tüchtigsten Polierer vorhanden sind.

 

 

 

 

 

Das Auspolieren

 

Die letzte Arbeit, durch welche der Fläche der scharfe Glanz verliehen wird, bezeichnet man in der Praxis mit Fertig- oder Auspolieren, Überpolieren usw. Die Flächen müssen vorher so weit reinpoliert sein, daß sozusagen ein einziger Ballen Politur genügt, um der Arbeit den letzten Überzug zu geben. Stundenlanges Herumwischen beim Auspolieren zeigt selten gute Resultate, weil dann die harte Grundpolitur wieder mit aufgeweicht wird, und es ist bekannt, daß auf der weichen Politur leicht "Kratzer" entstehen. Zum Auspolieren genügt guter, hochprozentiger Spiritus, doch kann man sich natürlich auch anderer bewährter Mittel bedienen, um schneller zum Ziel zu kommen. So mancher sagt zwar, "Zwangsmittel" und dergleichen benutze ich nicht, die kann man entbehren. Ja, freilich ist alles entbehrlich, außer Spiritus, doch es ist nicht einzusehen, warum man sich langjährig bewährter und in der Praxis allgemein benutzter Hilfsmittel nicht bedienen soll, um schneller zum Ziel zu kommen, die Arbeit des Auspolierens zu erleichtern und abzukürzen. Im Handel sind mancherlei Hilfsmittel erhältlich, als Überpolituren, Hochglanzpolituren usw. Der größte Teil dieser Artikel ist auf gewisse Schwächen der Konsumenten berechnet und für Leute bestimmt, welche nicht wissen, daß gute Politur und reiner Spiritus für sich allein schon genügen, eine feine, hochglänzende Politur herzustellen, die immer nach Mixturen und Rezepten zu solchen suchen, mit einem Wort, für Leute, die das Wesen des Polierprozesses noch immer nicht begriffen haben.

Auch manche professionelle Polierer arbeiten sehr geheimnisvoll mit einer ganzen Apotheke von Flaschen und Fläschchen, deren Inhalt die Politur teilweise verbessern, teilweise deren Glanz erhöhen soll. Gewöhnlich aber sind die Politurdecken dieser Leute minderwertigen, wie die solcher Polierer, welche nur mit Schellack und Spiritus arbeiten. Am meisten verbreitet und bewährt sind beim Auspolieren folgende Mittel: Benzoe, Wiener Kalk und Schwefelsäure. Die Benzoe wird in Spiritus gelöst, und zwar muß die Lösung sorgfältig abgegossen oder filtriert werden, damit alle Unreinigkeiten zurückbleiben. Die reine Lösung wird so weit mit Spiritus verdünnt, daß alle Blasen verschwunden sind, wenn man nach starkem Schütteln der Flasche bis 16 zählt. Mit dieser schwachen Lösung poliert man mit reinem Ballen, der zu keiner anderen Flüssigkeit benutzt werden darf, etwas auf die Fläche auf und zwar erst dann, wenn diese völlig fertig poliert ist, so daß nur noch das Öl entfernt werden braucht. Die Benzoelösung soll etwaige "Kratzer" verhindern oder entfernen, die Politur konservieren und etwas wiederstandsfähiger machen. Nachher schreitet man zum Entfernen des Öls. Hierfür ist die geeignetste Methode das sogenannte - abwienern. Man reibt die polierte Fläche mit 15%iger Schwefelsäure ein (85 Teile Wasser, 15 Teile Schwefelsäure). Das Einreiben erfolgt mit weichen Lappen oder dem Ballen der Hand. Hierdurch wird der Schellackdickte der größte Teil Fett oder Öl entzogen und an die Oberfläche gebracht. Hier wird solches durch aufgestäubten Wiener Kalk, durch Abreiben mit dem Handballen entfernt. Den Wiener Kalk bindet man zweckmäßig in einen Leinenbeutel ein, welcher in einer verschlossenen Büchse aufzubewahren ist. Diese Methode des Abpolierens ist schon seit langen Jahren, selbst in den größten Betrieben üblich und von den tüchtigsten Polierern benutzt, sicher ein Zeichen für ihre Brauchbarkeit und Unschädlichkeit. Stärker wie 15%ig soll die Schwefelsäure jedoch nicht sein, da durch höheren Säuregehalt die Schellackdickte sehr spröde wird und an Elastizität einbüßt.

 

 

 

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