Louis XVI

ca. 1770 bis 1790

 

 

Der Stil Louis XVI, dem der sogenannte Zopfstil in Deutschland entspricht, (Josephinisch in Österreich), bedeutet die letzte Phase der absterbenden höfischen Kultur und trägt zugleich schon die Vorzeichen einer neuen Zeit. Die Absage an die ungezügelte und verschnörkelte Formensprache des Rokoko ist unverkennbar. Zur völligen Überwindung kommt es jedoch erst im Klassizismus (Empire). Man strebt - in noch spielerischer Weise - nach Einfachheit  und Natürlichkeit im Sinne des Landlebens, ohne wirklich die Konsequenzen eines schlichten Lebens auf sich zu nehmen. Es bleibt ein Spiel mit eingebildeten Vorstellungen und schönen Täuschungen. Überdrüssig der grenzenlosen Bewegtheit des Rokoko, greift man nach ruhigen, ausgeglichenen Formen. Der schwingende Fluß der Linien, Schweifung, Kurve, Schnörkel und Verschmelzung gelten nicht mehr, es werden wieder feste Grenzen gesetzt. Die gerade Linie tritt die Herrschaft an, das Unregelmäßige und Flutende wird von regelmäßigen Formen abgelöst, vom Rechteck, Kreis und Oval. Was noch an Bewegung vorhanden, erstarrt allmählich oder wird an unwichtige Stellen verwiesen. Hatten im Rokoko das Schnitzwerk und das plastische Schmuckwerk der Bronzebeschläge den Möbelkörper regelrecht überwuchert, so kommen nun die reine Tischlerarbeit und mit ihr die glatte Fläche, Furnier und Marqueterie wieder zu ihrem Recht. Vor allem wird der streng tektonische Aufbau des Möbels als wesentlich erachtet. Klare Gliederung in lastende Teile, deutliche Unterscheidung der einzelnen Elemente, die oft bis zur vollkommenen Trennung führt. Keine Verschleifung der Form wird mehr geduldet. Das Möbel löst sich aus der Bindung mit der Wanddekoration und ist wieder selbständig. Man achtet auf Symmetrie und Proportion. Das Ornament, früher vorherrschend, bekommt jetzt lediglich verbindende Funktion. Man liebt es, Glieder von gleicher konstruktiver Aufgabe mit einheitlichem Ornamentmotiv zu zieren. Aber alles ist sehr sachlich und manchmal sogar spröde und nüchtern (Zopf), Im Gegensatz zur lebendigen und schwellenden Rokokoornamentik, Blumenranken, Blüten und Blätter, Girlanden und Füllhorne sind mit den ländlichen Motiven (Schäferidylle) in der Textilkunst die wichtigsten Schmuckelemente des Lois XVI. In zunehmendem Maße werden auch wieder antike Ornamente und Formen aufgenommen: Pilaster, Friese, Säulen Kapitelle, die gedrechselten Beine (Pilzform) an Tischen und Kommoden (entsprechend der antiken Drechslerarbeit). Vasen als sehr beliebte Schmuckform sowie Band- und Reihenornamentik. Die antike Kunst ist neuerdings zum Vorbild erhobnen. Dies führt zu einer größeren Strenge im Aufbau und in der Gliederung des Möbels, und trotzdem haben sich noch letzte Reste rokokohafter Anmut erhalten. In England waren ähnliche Tendenzen im Gange. Vor allem die Möbel Hepplewhites wurden auch auf dem Festland sehr geschätzt und nachgeahmt.

 

vorige Seite