Jugendstil

1850 bis 1910/20

 

 

Mit Ende des Biedermeier 1848 gibt es eigentlich keine Weiterentwicklung im Möbelbau. Durch die zunehmende Industrialisierung wird auch das Handwerk beeinflusst. Man hat keine eigenen Ideen mehr. Es werden vielmehr die alten Stile kopiert, doch beeinflußt vom Zeitgeschmack und den Möglichkeiten maschineller Einrichtungen.

 

So entstehen Stilrichtungen die wir heute Neogotik, 2. Rokoko oder Gründerbarock nennen. Auch das altdeutsche Möbel fällt in diese Rubrik. Eine Unterteilung des mit der Industriellen Revolution und maschinellen Entwicklung einhergehenden Gründerstiles in den Historismus (möglichst  naturgetreue Kopie einer vorangegangenen Stilepoche) und den

Eklektizismus (wahllose Kombination von verschiedenen Stilen) ist möglich.

 

Die einzig  wirkliche Neuentwicklung in dieser Zeit ist die Erfindung des Bugholzmöbels durch Michael Thonet, das bis heute seinen Platz im Möbelbau hat.

 

In dieser Zeit der Einfallslosigkeit und teuren überladenen Möbel bildet sich in ganz Europa - von England ausgehend - eine Gegenbewegung, die stark von Künstlern und Architekten geprägt wurde: Josef Hoffmann, Kolomann Moser, Gustav Klimt, Henri van de Velde, Rene Mackintosh und andere kreiren einen neuen Stil, den wir Jugendstil nennen, sozusagen den ersten Designerstil.

 

Zum ersten mal in der Geschichte des Möbelbaues hat sich ein Stil nicht entwickelt, sondern wurde Ende des 19. Jahrhunderts von den vorhin erwähnten Männern kreirt und vollkommen bewußt eingeführt.

 

Lange Zeit wurde der Jugendstil als Kitsch bezeichnet, doch hat man heute erkannt, welch hohes handwerkliches Können, künstlerisches Einfühlungsvermögen und Formgefühl in diesen Möbeln verborgen ist.

 

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